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E-Learning in die Hochschullehre integrieren




Martina DITTLER

Jacqueline HENN


E-Learning wird ein grosses Modernisierungspotential in der Aus- und Weiterbildung zugeschrieben. Als isolierte Massnahme kann es diese Hoffnung jedoch nicht erfüllen. Ein nachhaltiger Erfolg von E-Learning erfordert die Integration auf den Ebenen Strategie, Didaktik und Organisation. In diesem Beitrag wird am Beispiel des SVC-Projektes Financial Markets aufgezeigt, wie die Universität Basel E-Learning-Angebote in ihre Studiengänge integriert und welche Erfahrungen bisher gemacht wurden.

1. Die strategische Ebene

An der Universität Basel wird der Begriff E-Learning zur Bezeichnung von verschiedenen Lehr- und Lernformen sowie Veranstaltungsarten verwendet, die durch den Einsatz vom Computern und Internet unterstützt werden. E-Learning ist also nicht ausschließlich virtuelles Lehren und Lernen, sondern umfasst unterschiedliche organisatorische und methodisch-didaktische Graduierungen der Nutzung neuer Medien in der Hochschullehre. Auf Basis dieser Definition sowie dem strategischen Plan für die Modernisierung der Lehre wurden an der Universität Basel für die Einführung von E-Learning folgende Leitlinien formuliert:

  • E-Learning wird in den gesamt-universitären Modernisierungsprozess der Lehre integriert, also Hand in Hand mit anderen Modernisierungsmaßnahmen (z.B. Bologna-Prozess) eingeführt.
  • E-Learning ist Teilbereich der Hochschuldidaktik; d.h. nicht technische Möglichkeiten, sondern E-Learning-Szenarien mit klarem didaktischem Mehrwert stehen im Vordergrund.
  • Die Universität Basel möchte die Präsenzlehre modernisieren. E-Learning wird nicht eingesetzt, um die Hochschule zu virtualisieren.

2. Die Ebene der Didaktik

Basierend auf diesen Leitgedanken wurden die Basler E-Learning-Szenarien entwickelt (vgl. Abb. 1):

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Abbildung 1
Basler E-Learning-Szenarien

Anreicherungskonzept: Unter dieses Konzept fallen alle Präsenzveranstaltungen, die mit multimedialen Elementen angereichert werden, um den Zugang der Lernenden zu Informationen zu unterstützen. Lehrende können beispielsweise im Präsenzunterricht neben ppt.-Präsentationen auch Bilddatenbanken, Animationen, Simulationen etc. zur Visualisierung einsetzen. Auch studienbegleitende Lern- und Übungsmaterialien, welche den Studierenden auf dem Web zur fakultativen Nutzung angeboten werden (z.B. Folien, elektronische Skripte etc.) sind hier enthalten.

Integratives Konzept: Damit sind Veranstaltungsformen gemeint, in denen Präsenzveranstaltungen und das Selbststudium am Computer gleichwertige, aufeinander abgestimmte Lehr- und Lernmethoden darstellen. Dies bedeutet, dass das computergestützte Selbststudium der Studierenden, wie z.B. mit interaktiven Übungs- und Lernprogrammen, Online-Modulen, Informationssystemen oder der Einsatz von Kommunikations- und Kooperationstools zum kooperativen Lernen und Arbeiten obligatorischer Bestandteil einer Lehrveranstaltung sind. Ziel ist es hierbei, die Präsenzphasen zu verkürzen bzw. auf bestimmte Themen und Methoden (z.B. Diskussionen ausgewählter Aspekte) zu fokussieren. Das integrative Konzept beinhaltet immer eine tutorielle Betreuung der Studierenden während der Selbstlernphasen. Der wesentliche Aspekt des integrativen Konzeptes besteht - im Gegensatz zum Anreicherungskonzept - darin, dass Präsenzlehre immer inhaltlich-didaktisch angepasst werden muss bzw. ein gesamtes stimmiges Lehrkonzept aus Präsenzanteil und E-Learning-Angeboten erarbeitet werden muss.

Konzept virtueller Lehre: Hierbei handelt es sich um (teil-) virtuelle Veranstaltungen (z.B. virtuelle Seminare), die in der Regel durch wenige Präsenzphasen (meist zu Beginn und am Ende einer Lehrveranstaltung) flankiert werden.
Die Basler E-Learning-Szenarien (vgl. Abb. 1) orientieren sich an verschiedenen Organisationsformen sowie unterschiedlichen Lehr- und Lernmethoden in der Hochschullehre. Ziel dieser Klassifizierung ist es, die Leitlinien der Universität Basel in praktikable didaktische Szenarien umzusetzen, indem die Möglichkeiten von E-Learning an einer Präsenzuniversität möglichst umfassend abgebildet werden und sich auf die konkreten Lehr- und Lernsituationen übertragen lassen. Den Schwerpunkt legt die Universität Basel auf das integrative Konzept, da diesem das größte Potential für die Verbesserung der Präsenzlehre zugeschrieben wird (vgl. Financial Markets). An der Universität Basel werden E-Learning-Angebote zur Zeit in ca. 80 Lehrveranstaltungen eingesetzt und es werden inzwischen ca. 2.500 Studierende erreicht. Neben den Swiss Virtual Campus-Projekten [1] (SVC) werden auch zahlreiche uniinterne E-Learning-Massnahmen realisiert.

3. Financial Markets

Der Kurs Financial Markets (www.financial-markets.ch) ist ein Beispiel dafür, wie E-Learning an der Universität Basel erfolgreich umgesetzt wird. Financial Markets wurde im Rahmen des SVC-Programms entwickelt und wird sowohl als integratives Einsatzszenario als auch als virtueller Kurs eingesetzt. Unter der Leitung von Prof. H. Zimmermann an der Universität Basel, entstand in Kooperation mit den Universitäten Zürich (Prof. R. Gibson) und Lausanne (Prof. A. Ziegler) ein E-Learning-Kurs, der vorrangig die Bereiche Portfolio Theorie, Asset Pricing Modelle, Investment Management und Derivate umfasst. Das Ziel war nicht nur die Abdeckung einer einzelnen Vorlesung, sondern eines ganzen Themenbereichs. Daher wurde ein modularer Aufbau gewählt, so dass der Einsatz des E-Learning-Kurses bzgl. der Auswahl und Tiefe der Themengebiete von den Dozierenden und Studierenden variabel gestaltet werden kann.

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Abbildung 2
Homepage Financial Markets

Die Module von Financial Markets sind in die Lernplattform WebCT integriert und haben eine einheitliche Struktur. Auf der ersten Seite befinden sich eine Einführung in das Thema, klar definierte Lernziele und Lesematerial in Form von pdf.-Files zum Download. Auf den folgenden Inhaltsseiten sind Leseaufträge (die sich entweder auf das pdf.-File oder ein Standardwerk beziehen), verschiedene Aufgaben, wie z.B. Multiple Choice oder Excel-Übungen, Simulationen, Animationen und Diskussionsanstösse, die im Forum besprochen werden können, eingebettet. Anschliessend wird eine Zusammenfassung zur Verfügung gestellt. Am Ende der Module finden die Studierenden Referenzen und ein Quiz, mit dem sie testen können, inwieweit sie die wesentlichen Konzepte verstanden haben.
Wieso ist das Thema Finanzmarkttheorie für E-Learning prädestiniert? Die Informationstechnologie spielt in der Finanzmarkttheorie seit langem eine herausragende Rolle. Die Implementierung der Portfoliotheorie von Markowitz in den 1950er Jahren hat erst ein Jahrzehnt später stattgefunden, als erste leistungsfähige Rechner in der Lage waren, die erforderliche Datenmenge zu verarbeiten. Mit der Entwicklung der Optionspreistheorie in den siebziger Jahren hat der Einsatz von Computern einen weiteren signifikanten Auftrieb erfahren. Aber auch das Capital Asset Pricing Model und die damit verbundenen Testverfahren oder Portfolioabsicherungsstrategien lassen sich ohne Rechner kaum realistisch erlernen. Deshalb ist es wichtig, dass Studierende der Finanzmarkttheorie bereits in einer frühen Ausbildungsphase in die Lage versetzt werden, mathematische, statistische und ökonometrische Aufgabenstellungen mittels neuer Medien zu lösen.

Einsatz an der Universität

Derzeit wird Financial Markets an den Universitäten Basel, Bern, Lausanne und Zürich sowie in der Weiterbildung eingesetzt. An der Universität Basel wurde bereits im Wintersemester 2001/02 der erste Pilotversuch gestartet und seit dem Wintersemester 2002/03 ist Financial Markets fest in das Curriculum integriert. In der Bachelorvorlesung Portfolio- und Kapitalmarkttheorie (ca. 100-120 Studierende), die für das 3. Studienjahr konzipiert ist, werden ein Drittel der Präsenzveranstaltungen durch den E-Learning-Kurs ersetzt. Der modulare Aufbau von Financial Markets erlaubt es, dass geeignete Vorlesungsinhalte im traditionellen Frontalunterricht, andere aber individuell anhand von konkreten Fallbeispielen bearbeitet werden können. Während der E-Learning-Phasen erarbeiten die Studierenden ausgewählte Themengebiete selbständig, wobei sie per Diskussionforum oder E-Mail von Assistierenden betreut werden. In den anschliessenden Präsenzphasen finden vertiefende Diskussionen zu den Themen statt. Die gesamte Semesterveranstaltung (inkl. E-Learning) wird mit 9 Kreditpunkten bewertet. Auch im Sommersemester wird ein ähnliches Konzept für die Vorlesung Optionspreistheorie und Derivate verwendet.

Einsatz in der Weiterbildung

Seit dem Wintersemester 2003/2004 wird Financial Markets auch als reiner E-Learning-Kurs (Konzept virtueller Lehre) im Weiterbildungsprogramm der Universitäten Zürich und Basel angeboten. Da hier nur die Einführung als Präsenzveranstaltung stattfindet, ist eine gute Online-Betreuung der Teilnehmer besonders wichtig. Der Online-Tutor ist in erster Linie für eine speditive Beantwortung fachlicher Fragen sowie für die Unterstützung der Diskussionsgruppen zuständig, gleichzeitig ist es jedoch auch sehr wichtig, die Studierenden zu motivieren.

4. Evaluation und Lessons learned

Financial Markets wird von den Lernenden regelmässig hinsichtlich technischer Aspekte, Inhalt, Didaktik sowie Lernerfolg und Nutzen evaluiert. Das Feedback ist sehr positiv. Besonders wertvoll schätzen die Studierenden die zahlreichen interaktiven Übungen sowie die pdf.-Files ein. Für den integrativen Einsatz des Kurses hat sich die Abstimmung zwischen dem E-Learning und Präsenzveranstaltungen als sehr entscheidend herausgestellt.
Im virtuellen Szenario in der Weiterbildung sind ein gutes Betreuungskonzept und Gruppenarbeiten wesentlich, um die Drop-out-Rate gering zu halten. Die Einsamkeit des Lernenden am Bildschirm kann durch die Integration in einer Diskussionsgruppe verringert werden. Zum Betreuungskonzept gehört ebenfalls die Definition von Regeln, die einerseits für den Coach und andererseits für die Studierenden gelten. Dazu gehören die Verfügbarkeit des Coaches, termingerechte Lieferung der Aufgaben und Antworten, aktive Mitarbeit und Verhalten im Diskussionsforum. Wichtig für einen positiven Einstieg in einen E-Learning-Kurs ist ein problemloser Umgang mit der technischen Umgebung. Allfällige Probleme lassen sich durch eine geeignete Präsenz-Einführungsveranstaltung vermeiden.

Für die erfolgreiche Integration von E-Learning-Angeboten - wie dies bei Financial Markets der Fall ist - sind aus didaktischer Perspektive verschiedene Aspekte auf unterschiedlichen Ebenen zu berücksichtigen: So geben zunächst Studienordnungen, Curricula sowie andere institutionelle Richtlinien (Makro-Ebene) die Rahmenbedingungen für die Einführung von E-Learning vor, d.h. vorgesehene Inhalte und Regelungen für Veranstaltungs- und Prüfungsformen sowie zur Vergabe von Kreditpunkten etc. müssen berücksichtigt werden. Andererseits muss das E-Learning-Angebot unbedingt Relevanz im Curriculum haben.
Auf der Ebene der Semesterveranstaltung (Meso-Ebene) gilt es, die Integration des E-Learning-Angebotes in den Präsenzunterricht dezidiert zu planen. Um zu gewährleisten, dass Präsenz- und E-Learning-Anteile im Lehr- und Lernprozess tatsächlich in pädagogisch sinnvoller Weise spezifische Aufgaben übernehmen, muss folgende Frage untersucht werden: Wo bietet der Einsatz neuer Medien und Technologien einen wirklichen pädagogischen Mehrwert? Hierfür müssen von den Dozierenden konkrete didaktische Entscheidungen getroffen werden: d.h. Ziele, Inhalte und Lernerfolgskontrollen müssen aufeinander abgestimmt sein (didaktische Konsistenz) und es muss entschieden werden, welche Inhalte und Lehrziele am besten durch E-Learning und welche durch Präsenzunterricht zu erreichen sind.
Auf der Ebene der einzelnen Lehrveranstaltungen (Mikro-Ebene) geht es - last but not least - um die konkrete Gestaltung des Lehr- und Lernprozesses durch die Interaktion der Studierenden untereinander sowie mit den Dozierenden und den direkten Einbezug des E-Learning-Angebotes. Zu klären sind in diesem Zusammenhang auch das Rollenverständnis auf Seiten der Dozierenden und Studierenden sowie deren Medienkompetenz und Lehr- und Lernpräferenzen. Besonderes Augenmerk ist weiterhin auf die nötige Strukturierung und Steuerung des Lehr- und Lernprozesses zu legen und schliesslich spielen die Betreuung der Studierenden sowie deren Motivation durch Dozierende und Tutoren eine entscheidende Rolle.
Für eine nachhaltige Integration von E-Learning-Angeboten in die Lehre sind nicht zuletzt regelmässige Evaluationen, wie sie bei Financial Markets durchgeführt werden, notwendiger Bestandteil. Nur so wird eine kontinuierliche Optimierung von E-Learning-Angeboten sowie der begleitenden Lehrveranstaltungen gewährleistet.

5. Die organisatorische Ebene

Die Massnahmen zur strategischen Integration von E-Learning dürfen sich aber nicht nur auf die didaktische Erneuerung der Lehre beschränken. Es müssen auch auf Dauer Supportstrukturen eingerichtet werden, welche die benötigte Infrastruktur bereit stellen und geeignete Schulungs- und Beratungsangebote für die Dozierenden zur Verfügung stellen. Die Supporteinrichtung für E-Learning an der Universität Basel ist das Kompetenznetzwerk LearnTechNet (LTN). Es umfasst die Bereiche Ressort Lehre, New Media Center, Universitätsrechenzentrum, Universitätsbibliothek, Sprachenzentrum und medizinisches Lernzentrum. Das LTN begleitet die Einführung von E-Learning in den Bereichen Didaktik, Evaluation, Medienentwicklung, Technik und Projektmanagement durch Beratung und Information, bietet Schulungen für Dozierende, Projektmitarbeiter und Studierende an und stellt die benötigte Infrastruktur für diese Zielgruppen bereit. Das Angebot ist allen Interessenten über das LTN-Portal zugänglich (http://ltn.unibas.ch).

6. Fazit

Alle E-Learning-Massnahmen an der Universität Basel sind im Rahmen des gesamt-universitären Modernisierungsprozesses zu betrachten und haben das Ziel, Lehre und Lernen für Dozierende und Studierende attraktiver und effektiver zu gestalten. Mit den beschriebenen Massnahmen - umfassende Strategie zur Modernisierung der Lehre, explizite didaktische Planung und Einbindung in die Curricula und organisationalen Support - setzt die Universität Basel ihr Konzept der Integration von E-Learning in die Hochschullehre erfolgreich um.

[1] Der Swiss Virtual Campus ist ein Bundesprogramm zur Förderung der Informationsgesellschaft Schweiz. Im Rahmen des Impulsprogramms (2000-2003) wurden 50 E-Learning-Projekte an Schweizer Universitätversitäten gefördert. Die Universität Basel war hierbei mit 20 Projekten beteiligt (6 Leading-Projekte, 14 Partnerprojekte). Am Konsolidierungsprogramm (2004 - 2007) beteiligt sich die Universität Basel mit drei Leading-Projekten und 9 Partner-Projekten.



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